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EVANGELISCH-LUTHERISCHE KIRCHENGEMEINDE VECHTA

Die Sonntagspredigt

 

8. Sonntag post Trinitatis 25. Juli 2010 - Epheser 5, 8 b ff:

Liebe Gemeinde!

Lebt als Kinder des Lichts;

9 die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Eltern wollen für ihre Kinder das Beste; wollen, dass aus ihren Kindern etwas wird. Und wenn man als Kind nicht in die Richtung läuft, die die Eltern vorgeben, dann bekommt man zu hören: „Was soll nur aus dir werden? Ohne Fleiß kein Preis!“ usw. Und wenn man das oft genug gehört hat, dann hört man es nach einer Weile gar nicht mehr.

Wie geht uns das mit den Worten der Heiligen Schrift, hören wir sie wirklich? Oder hören wir sie nach dem Gesichtspunkt: kenne ich eh alles schon - oder - immer höre ich aus Gottes Wort Anforderungen, wie ich sein soll. Wie soll ich das denn schaffen? Jeder Tag fordert mich so heraus, manchmal habe ich Mühe, alles auf die Reihe zu bekommen, und jetzt soll ich als ein Kind des Lichtes leben, voller Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. - Ich höre diese Worte, aber ich kann sie nicht erfüllen. Und darum frage ich mich, höre ich wirklich.

Leider kann das Wort Gottes auch als moralische Keule missbraucht und ausgelegt werden. Dann stehe ich immer unter dem Druck: hast du genug Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit gelebt? Und dann fallen mir hundert Situationen ein, in denen ich aus der Haut gefahren bin, es mir nicht gelungen ist. Lieber Paulus, ich entspreche nicht deinem Imperativ. Ich setze Deine Befehlsform nicht um, als ein Kind des Lichtes zu leben. Und das produziert ein schlechtes Gewissen.

Früher hat die Kirche viele solcher Moralpredigten gehalten. Vielleicht geschieht das in manchen Kirchen bis zum heutigen Tag, weil Menschen meinen, nur auf diese Weise könne Gottes Wort umgesetzt werden. Der Christenmensch braucht Druck!

Es hat fatale Folgen, wenn wir den Imperativ, die Befehlsform einfach für sich stehen lassen, sie aus dem Zusammenhang reißen, sie isoliert betrachten.

In der Theologie - und das wird allzu oft vergessen - sprechen wir nicht nur vom Imperativ, sondern zuerst vom Indikativ, also von der Wirklichkeitsform. Mit dem Indikativ, mit der Wirklichkeit ist unsere ganze Existenz gemeint, unser Sein, während Imperativ den Ausdruck unseres Lebens meint. Imperativ und Indikativ führen mich zu der Frage: Wie drücke ich in meinem Leben das aus, was für mich zur Lebenswirklichkeit geworden ist. Gott ist Liebe, in diese Liebe bin ich hinein genommen, wie drückt sich diese Liebe Gottes nun in meinem Leben aus?

Paulus möchte nicht, dass wir bei den Befehlen stehen bleiben: Nun mach mal! Nun glaub mal! Nun will ich aber etwas sehen von deinem Glauben! Wer lässt sich denn gerne unter Druck setzen? Ich nicht. Und dann kommt dabei heraus, dass viele Menschen den Glauben an Jesus Christus nicht als eine Befreiung, als Annahme erleben, sondern als einen anstrengenden Zusatz. Und dann stöhnen die Christen, dass sie das Wollen wohl haben, aber beim Vollbringen des Imperativs steht viel zu oft das Versagen.

Nein, ich höre Paulus geradezu flehen: Seht nicht immer nur den Imperativ, die Befehle. Dann wird Glaube immer schwerer, der Glaubensdruck immer größer. Es geht nicht nur um euer Tun, es geht zuerst einmal um euer Sein, wer bin ich? Ein von Gott geliebter, angenommener Mensch.

Paulus gebraucht das Gegensatzpaar Licht und Finsternis. Diese beiden Worte helfen uns besser zu verstehen.

Schauen wir an den Anfang der Bibel, die Schöpfungsgeschichte. Und dort heißt, das Gott am ersten Tag sprach: es werde Licht! Und es ward Licht und siehe da, es war sehr gut. Erst das Licht zeigt, dass es Finsternis gibt. Vor dem Licht war Chaos, Tohuwabohu, wie es in der hebräischen Sprache heißt. Wir gebrauchen dieses Wort ja bis heute und es steht für ein großes Durcheinander. Das Licht erst ermöglicht Leben, ermöglicht Wachsen und Werden.

Nun hat Jesus das Licht der Schöpfung aufgenommen, als er gesagt hat: ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. - Jesus ist das Licht, das unser Sein, unser Dasein zur Entfaltung bringen will, zum Blühen, zur Schönheit. Aber nicht als Imperativ: so jetzt aber mal los, Güte, Wahrheit, Gerechtigkeit sind gefordert.

Blüht eine Blume schöner, wenn wir ihr sagen: Nun aber los, ich will ´was sehen! Nein, natürlich nicht. Aber wenn wir dafür sorgen, dass sie genug Licht und genug Wasser hat, dann wird sie von ganz allein anfangen zu blühen. Und wenn wir meinen, die Blume sei am besten im dunklen Keller aufgehoben, dann wird sie nicht mehr blühen, wenn wir das nächste mal nach ihr schauen.

Gott sagt nicht zu uns: nun blüh mal, aber dalli. Die Welt braucht blühende Menschen, die Welt braucht Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. Gott fordert nicht: hör mal, nicht so lahm und nicht so lasch, das geht ja gar nicht. Ein bisschen mehr Aktivität im Glaubensleben, wenn ich bitten darf. Und wir stöhnen und ächzen unter der Last des Glaubens.

Wir können das Licht der Welt nicht machen, wir können nur Licht sein - wie es im Evangelium heute beschrieben ist - wenn wir uns ins Licht Gottes stellen, wenn wir uns ins Licht Jesu stellen. Es ist zunächst nicht mehr als dieser eine Schritt: Jesus, ich möchte mich in dein Licht stellen. Ich möchte mich in deinem Licht entfalten, dass die Schönheit des Lebens sichtbar wird, dass die Freude zur Gestaltung des Lebens geweckt wird.

Das Leben im Licht Gottes ist keine Kraftanstrengung, sondern es beginnt in mir zu wachsen. Es nicht dieses: jetzt muss ich auch das noch, der Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit auf den Weg zu helfen. Nein, es wächst in mir und drängt nach draußen. Wer sich in das Licht Gottes stellt, wird selber zum Licht. Wer sich von Gott geliebt weiß, wird selbst zur Liebe.

Wenn ihr nun fragt: ist das wirklich so einfach? Dann kann ich euch nur sagen: Ja. Liefern wir uns Gott aus, wird sich unser Sein, unser Leben verändern. Und wenn sich das Leben verändert, wenn das Licht Gottes, die Liebe Gottes, zum Maßstab wird, dann geht man anders miteinander um, eben lichtvoll, liebevoll.

Ja, so einfach ist das!

Wenn da nicht die Wolken der Finsternis wären, die sich immer wieder vor das Licht Gottes schieben, damit wir nicht im Lichte Gottes sind, sondern im Schatten der Finsternis. Aber auch das gehört zu unserem Leben. Es geht nicht um ein perfektes Leben im Licht, sondern darum, dass wir ständig bereit sind, uns mit all unseren Unzulänglichkeiten immer wieder neu dem Licht Gottes auszuliefern, damit die Früchte wachsen können, die Güte, die Wahrheit, die Gerechtigkeit. Damit all das Schöne, das Gott ja schon in uns hinein gelegt hat, dass alles zum Blühen kommt.

Das Licht Gottes wird uns verändern, wenn wir uns dem Licht Gottes ausliefern. Nichts anderes möchte uns der Apostel Paulus mit auf den Weg geben. Es wird uns verändern!              

Amen

 

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